• Ausbildung im Homeoffice – Kreativität macht’s möglich

    Ausbildung im Homeoffice – Kreativität macht’s möglich

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Die Arbeitswelt kennenlernen, neue Kontakte knüpfen, zur Berufsschule gehen – das alles gehört normalerweise zu einer Ausbildung bei der Provinzial dazu. Seit über einem Jahr arbeitet die Mehrheit unserer Mitarbeiter allerdings im Homeoffice, auch unsere Auszubildenden. Wie das funktioniert, wie sie und ihre Ausbilder in Kontakt bleiben und wie kreativ sie mit der Situation umgehen erzählen zwei unserer Auszubildenden und ein Ausbilder.

Leandra Schürhoff
(Auszubildende Kauffrau für Marketingkommunikation)

Der Ausbildungsstart im Homeoffice löste bei mir zunächst Unsicherheiten aus. Für mich, die Ausbilder und die Personalabteilung war die Situation ja völlig neu. Die Provinzial stellte meinen Ausbildungsplan aber extra um, damit ich trotzdem alle Lerninhalte vermittelt bekomme. Zu Beginn fühlte ich mich im Homeoffice etwas einsam, da nur ein oberflächliches Kennenlernen möglich war. Durch kreative Alternativen konnte ich meine Kollegen aber dennoch treffen. Wir haben uns zum Beispiel über Videocalls nach der Arbeit zum Kaffeetrinken verabredet. Das war zwar kein Ersatz für ein persönliches Kennenlernen, aber ich habe mich direkt in der Abteilung wohlgefühlt. Fest eingeplante Austauschtermine mit meinen Ansprechpartnern waren sehr hilfreich, um Fragen zu klären.

Auch, wenn die Eingewöhnungsphase länger gedauert hat, überwiegen einige Vorteile für mich: Ich kann mir meine Zeit flexibel einteilen und lerne, selbstständig zu arbeiten. Das hat mir den Übergang von meiner Schulzeit in die Berufswelt erleichtert. Positiv überrascht bin ich zudem von meinem Homeoffice-Alltag in der Berufsschule. Es werden alle Möglichkeiten genutzt, um uns bestmöglich digital zu unterrichten. Zum Glück habe ich bis zu meinen Abschlussprüfungen noch etwas Zeit, um den gesamten Lernstoff zu verinnerlichen. Allgemein würde ich sagen, dass eine Ausbildung vor Ort empfehlenswerter ist als eine aus dem Homeoffice heraus. So lernt man auch den Büroalltag kennen. Dennoch glaube ich, dass durch technische Möglichkeiten und flexibler Planung auch ein Ausbildungsstart aus dem Homeoffice heraus gut funktionieren kann.
Leandra Schürhoff (Auszubildende Kauffrau für Marketingkommunikation)
Leandra Schürhoff, Auszubildende Kauffrau für Marketingkommunikation am Standort Münster

Kim Dorthe Vienenkötter
(Duales Studium Versicherungswirtschaft)

Seit mehreren Monaten arbeiten meine Kollegen und ich im Homeoffice. Es besteht allerdings weiterhin ein guter Kontakt. Durch Videocalls, Chats und E-Mails kann ich mir meinen persönlichen Kommunikationsweg aussuchen und mich schnell mit allen absprechen. Bei kurzen Fragen fehlt mir jedoch der persönliche Austausch. Was mir an der Arbeit im Homeoffice allerdings gut gefällt, ist der Wegfall des Arbeitswegs und die individuelle Gestaltung des Arbeitstages. Außerdem nehme ich mir die Freiheit, auch mal einen Pulli statt des Blazers anzuziehen. Neben diesen Vorteilen existieren aber auch Nachteile. Im Homeoffice arbeite ich mehr. Auch außerhalb meiner Arbeitszeit kontrolliere ich manchmal meine E-Mails und habe dadurch weniger Distanz zur Arbeit. Der persönliche Kontakt zu Kollegen fehlt ebenfalls. Trotz Videocalls ist es schwierig, einen Überblick über alle Projekte in der Abteilung zu behalten.
Mein Studium hat sich ebenfalls verändert. Der Unterricht an der Fachhochschule ist seit zwei Semestern komplett digital. Einige Klausuren schreibe ich online, einige werden durch Hausarbeiten ersetzt, was für mich einen höheren Aufwand neben dem Arbeitsalltag bedeutet. Die Prüfungsvorbereitung für meine Abschlussprüfung war ebenfalls digital. Persönlich fehlt mir der direkte Austausch mit anderen Studierenden und Auszubildenden, speziell aus höheren Semestern oder Jahrgängen. Dies war immer eine gute Möglichkeit, um von Erfahrungen zu profitieren. Dennoch erfahre ich keinen Nachteil während meines dualen Studiums. Die Ausbilder bei der Provinzial sowie die Dozenten an der Fachhochschule sind sehr verständnisvoll und bieten zusätzliche Sprechstunden und Austauschmöglichkeiten an.
Kim Dorthe Vienenkötter (Duales Studium Versicherungswirtschaft)
Kim Dorthe Vienenkötter, Duales Studium Versicherungswirtschaft am Standort Kiel

Frank Schneider
(Ausbilder Kauffrau/Kaufmann für Versicherungen und Finanzen)

Neuartig, anspruchsvoll und spannend –  so würde ich das Ausbildungsprogramm des Provinzial Konzerns aus dem Homeoffice heraus beschreiben. Viele Inhalte sind auch digital gut vermittelbar, wie zum Beispiel grundlegendes Wissen oder die Einführung in die Kundentelefonie. Inhaltlich mussten wir unsere Schulungen in der Methodik zwar anpassen, aber glücklicherweise war vieles bereits vor dem Homeoffice auf digitale Medien abgestimmt. Zu den Herausforderungen zählt, dass die Aufmerksamkeit der Azubis aufrechterhalten werden muss. Online-Veranstaltungen müssen die Sinne ansprechen, Gestik und Mimik können auch schnell fehlinterpretiert werden. Hier ist es wichtig, ein Gespür für die Bedürfnisse des Anderen zu entwickeln. Einige sind überrascht, wie erfinderisch und spontan sie doch sind. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren habe ich gemerkt, dass es für unsere Azubis aktuell schwieriger ist, Kontakte zu knüpfen. Dadurch nimmt die Rolle des Ausbilders eine noch wichtigere Funktion als Ansprechpartner ein und wird auch zeitintensiver.

Die Qualität der Ausbildung leidet allerdings nicht unter der Arbeit von zu Hause. Technische Hilfsmittel halten das Niveau weiterhin hoch. Ich habe von einigen Azubis sogar gehört, dass sie viele Inhalte intensiver und einprägsamer wahrnehmen. Das liegt an dem selbstständigen Arbeiten im Homeoffice. Im Büro gehen viele den leichten Weg und fragen ihren Tischnachbarn. Nun forschen sie intensiver und erarbeiten sich viele Lösungen selbst. Anschließend werden alle offenen Fragen mit dem Ausbilder geklärt. Der Lerneffekt ist gezwungenermaßen langfristiger. Trotzdem tut es mir natürlich leid, dass unsere neuen Azubis das alltägliche Büroleben und damit auch einen Teil unserer Kultur noch nicht kennenlernen konnten.
Frank Schneider (Ausbilder für Kauffrau/Kaufmann für Versicherungen und Finanzen)
Frank Schneider, Ausbilder für Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen am Standort Hamburg